28. Oktober 2020

So geht Schule nicht weiter!

Die Corona-Infektionszahlen steigen seit etwa zwei Wochen mehr als besorgniserregend. Nicht einmal in der Hochzeit des Frühjahrs hatten wir so viele Corona-Neuinfektionen pro Tag, wie in diesen Tagen: Am 22.10. wurden 13221 neue Infektionen gemeldet – kurz vor dem Lockdown im April diesen Jahres lagen wir bei 6553 Fällen pro Tag. Damals wurden die Schulen geschlossen.

Nach den Sommerferien und bis zu den Herbstferien mussten alle Kolleginnen und Kollegen wieder in vollen Klassen ohne Abstand und ohne Mund-Nasenschutz unterrichten. Für die Zeit danach ist dem Kultusministerium bisher nicht mehr als ein ziemlich merkwürdig anmutendes Lüftungskonzept eingefallen: Alle 20 Minuten sollen die Klassenzimmer für 5 Minuten gelüftet werden. Einmal abgesehen davon, dass das in etlichen Unterrichtsräumen überhaupt nicht möglich ist, ist uns einfach nicht klar, wie dieses Lüften in der kalten und nassen Jahreszeit durchgehalten werden soll. Wenn die Temperaturen in Richtung Gefrierpunkt marschieren, werden wir nach dem jetzigen Plan alle in Schals, Mänteln und Mützen im Unterrichtsraum sitzen müssen. Bei den ständigen Temperaturwechseln werden sich dann wahrscheinlich allein davon viele am Unterricht Beteiligte erkälten. Das kann einfach nicht zielführend sein.

Seit den Sommerferien plädieren wir vom Berufsschullehrerverband Niedersachsen für eine Maskenpflicht an berufsbildenden Schulen im Unterricht für einen maximalen Schutz der Schülerinnen und Schüler sowie der Kolleginnen und Kollegen. Bisher hat sich das Kultusministerium allerdings dieser Maßnahme verweigert. Das kann vor dem Hintergrund der ständig steigenden Infektionszahlen so nicht weiter gehen! In Hamburg wurde gerade genauso wie in Schleswig-Holstein die Maskenpflicht in den berufsbildenden Schulen beschlossen. Auch Bremen hat sich bereits dazu entschlossen in den weiterführenden Schulen ab dem 26.10. eine verbindliche Maskenpflicht einzuführen. In Bayern und in Baden-Württemberg ist das verpflichtende Tragen von Masken in den weiterführenden Schulen ab einer Inzidenz von mehr als 35 Fällen/100.000 Einwohner vorgesehen.

Beim letzten Corona-Gespräch mit Herrn Minister Tonne am Freitag, dem 23.10. blieb Herr Tonne dabei, ab einer Inzidenz von 50 Infektionen/100.000 Einwohnern eine Maskenpflicht in Schulen lediglich zu empfehlen. Das ist in unseren Augen der Situation nicht angemessen und schlicht unzureichend. Statt vor dem Hintergrund geradezu explodierender Infektionszahlen immer nur reaktiv zu bleiben, das bloße Lüften der Unterrichtsräume zu verordnen und sich für eine weitere Verschlimmerung der Lage andere Maßnahmen vorzubehalten, darf das Kultusministerium nicht mehr zaudern, sondern muss endlich präventiv arbeiten und Maßnahmen ergreifen, die ein weiteres, schnelles Ansteigen der Infektionszahlen zumindest bremsen. Wenn man – wie das Kultusministerium immer wieder betont – die Schulen möglichst lange offen halten will, dann muss man auch bereit sein, die dafür notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Der Berufsschullehrerverband Niedersachsen fordert das Kultusministerium daher nachdrücklich auf, auch in Niedersachsen mindestens analog zu Bayern und Baden-Württemberg eine inzidenzbasierte Maskenpflicht einzuführen – d.h. also eine Maskenpflicht im Unterricht der berufsbildenden Schulen dort, wo die Fallzahlen über die Marke von 35 Fällen pro 100.000 Einwohner steigen. Alternativ muss der Unterricht wieder im „Szenario B“ – also in halber Klassenstärke organisiert werden. Darüber hinaus fordern wir freie, anlassbezogene, umfangreiche Corona-Tests an den BBS dort, wo das Infektionsgeschehen Fahrt aufnimmt. Dem Infektionsschutz an den Schulen und damit dem Schutz der Schülerinnen und Schüler sowie unserer Kolleginnen und Kollegen muss endlich höchste Priorität eingeräumt werden!