17. September 2020

Laptops für Lehrkräfte

BLVN fordert digitale Endgeräte für Lehrkräfte

Die Corona-Krise hat uns weiter fest im Griff und zwingt uns gegenwärtig und vermutlich auch noch für geraume Zeit, Unterrichtstrukturen neu zu denken und zu gestalten. Mit Beginn des Lockdowns an den Niedersächsischen Schulen wurde offenbar, dass die  digitalen Kompetenzen der Kolleginnen und Kollegen mit einer sehr großen Bandbreite ausgeprägt sind.
Diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die eine fachrichtungsbedingte Affinität zu EDV und IT und die entsprechende private Ausstattung haben, hatten deutlich weniger Schwierigkeiten, mit der Situation umzugehen, als andere, aber auch sie waren von der Qualität der Verfügung stehenden digitalen Infrastruktur, insbesondere der Netzwerkanbindung der Schulen abhängig.
Nicht jede/jeder, die/der zu diesem Zeitpunkt versiert im Umgang mit z.B. Video-Konferenztools war, war auch in der Lage, diese gewinnbringend für den Distanzunterricht einzusetzen, wenn die hierzu notwendige Bandbreite dies nicht zuließ.
Drei notwendige Voraussetzungen, so hat sich herausgestellt, sind für Distanzunterricht, der nun mit etwa 15% Anteil im schulischen Curriculum zu verankern und nach Aussage des MK möglichst auch schon mal erprobt werden sollte, zwingend notwendig:

1.    die digitale Infrastruktur der Schulen im Hinblick auf die Netzwerkanbindung
2.    weitreichende digitale Kompetenzen der Kolleginnen und Kollegen
3.    die Ausstattung der Kolleginnen und Kollegen mit digitalen Endgeräten

Über Punkt 1 sollte man eigentlich gar nicht mehr reden müssen, da die Ausstattung der Schulen mit der notwendigen Infrastruktur nicht erst mit Beginn der Corona-Krise zum Thema wurde. Der BLVN fordert schon seit Jahren, hier eine flächendeckende Versorgung mit den notwendigen Standards sicherzustellen und insbesondere auch verlässliche Aussagen zu den infrage kommenden datenschutzkonformen Tools zu machen.
Besonders bedenklich ist vor diesem Hintergrund, dass das Land über Millionen aus dem Digitalpakt verfügt, dieses Geld aber bisher praktisch nicht an den Schulen angekommen ist (die Tatsache, dass Experten der Ansicht sind, man bräuchte rund die 10-fach Summe für Niedersachsen, sei hier nur eine Randnotiz).

Die in Punkt 2 erwähnten weitreichenden digitalen Kompetenzen der Kolleginnen und Kollegen lassen sich nicht mal so eben schnell durch ein paar Fortbildungen entwickeln. Hierzu bedarf es einer systematischen Schulung aller Kolleginnen und Kollegen über Monate hinweg. Die Initiative des Landes über die Fortbildungsreihe UDM-BBS (Unterricht mit digitalen Medien BBS) zeigt in die richtige Richtung. Sie ist vor der Corona-Krise aufgelegt worden und hat das Ziel, die digitalen Kompetenzen der Teilnehmenden zu entwickeln, die diese wiederum an ihre Schülerinnen und Schüler weitergeben sollen. Insgesamt 6 eintägige Fortbildungen sind hierzu, über ein Jahr verteilt, vorgesehen. Zu bedenken gilt es aber, dass entsprechend geschulte Lehrkräfte dann erst in einem Jahr zur Verfügung stehen. Was vor Corona-Zeiten vielleicht akzeptabel schien, dauert nun aber angesichts der Krise eigentlich zu lange und berührt dann auch nur diejenigen, die an diesen Fortbildungen teilnehmen.
An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass es nicht nur Angesichts der Corona-Krise, sondern auch Angesichts der Tatsache, dass wir im 21. Jahrhundert leben, schon lange überfällig ist, den Erwerb digitaler Kompetenzen in die erste Stufe der Lehramtsausbildung zu übernehmen.

Bzgl. Punkt 3 waren und sind mögliche Lösungen im Hinblick auf Distanzlernen im Wesentlichen durch entsprechende Vorkenntnisse, ein hohes Maß an persönlichem Engagement und der Bereitschaft mit eigener Hardware zu arbeiten, entstanden.
Nicht alle Kolleginnen und Kollegen sind bereit, hier in Vorleistung zu gehen, auf eigene Kosten notwendige Hardware zu beschaffen, diese zu warten, täglich mit in die Schulen zu nehmen und im Falle eines Schadens oder Verlustes am Ende auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Zurzeit ist nicht vorgesehen, die Lehrkräfte in Niedersachsen flächendeckend mit digitalen Endgeräten auszustatten, Schulen können hiervon abweichend aus dem eigenen Budget entsprechende Geräte beschaffen und an Lehrkräfte nach einem festzulegenden Verfahren ausgeben.
Wäre man eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter des MK, der Landesschulbehörde oder des NLQ, wäre es völlig selbstverständlich, dass dort die entsprechende Hardware zur Verfügung gestellt und gewartet würde, nur in Schulen ist das etwas anders.

Eins muss klar sein, wenn nicht zügig die IT-Infrastruktur an den Schulen geschaffen, bzw. ausgebaut wird, wenn nicht zügig eine Qualifizierungsoffensive aufgelegt wird, wenn nicht zügig mit einer sächlichen Ausstattung der Lehrkräfte begonnen wird, dann wird es eben nur bei den eingeforderten Planungen bzgl. des Distanzunterrichts bleiben, diese werden dann die Ordner mit den schulischen Curricula ein wenig dicker machen, aber sonst nichts bewirken, von den oben beschriebenen individuellen Ausnahmen einmal abgesehen.
So sehr man auch die Bemühungen des Landes bzgl. der Digitalisierung wertschätzt, es bliebe eben nur bei Bemühungen.