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25. Juni 2020

Ergebnisse der Blitzumfrage des BLVN: Corona-Einschränkungen waren sinnvoll und sollten auch im neuen Schuljahr größtenteils erhalten bleiben.

Die Corona-Ansteckungsgefahren und die zur Abwehr notwendigen Hygienemaßnahmen bleiben an den berufsbildenden Schulen auch für das kommende Schuljahr 2020-2021?ein Dauerthema.

Das geht aus einer Umfrage des Berufschullehrer Verbandes Niedersachsen hervor. Unsere Berufschullehrer sorgen sich um Ihre Arbeitsbedingungen. Der Berufsschullehrerverband Niedersachsen unterstützt energisch alle Kolleginnen und Kollegen und stellt sie in den Diskussionen mit dem Ministerium in den Mittelpunkt der Gespräche und Forderungen.

Ende Mai hat der Berufsschullehrerverband eine Umfrage über die Situation der Kolleginnen und Kollegen unter Corona-Bedingungen durchgeführt. Mit weit über 400 Antworten war sie überaus erfolgreich. Die Auswertung dieser Umfrage ist sehr aufschlussreich:

Sowohl ihre persönliche Situation als auch ihre unterrichtliche Situation schätzen die Antwortenden im Schnitt mit etwa drei von fünf Sternen mittelmäßig ein. Allein diese summarische Einschätzung lässt aufhorchen.

Mehr als ¾ unserer Kolleginnen und Kollegen geben an, dass sie sich mit vielen zusätzlichen Aufgaben konfrontiert sehen und dass sie ihre Unterrichtsdidaktik verändern mussten. Hier steckt schon drin, dass unsere Kolleginnen und Kollegen zeitlich deutlich belastet sind. Kein Wunder, dass rund 2/3 aller Befragten angab, dass ihr zeitlicher Aufwand stark gestiegen ist und dass auch fast 2/3 der Befragten angaben, dass sie sich durch das Homeschooling stärker belastet fühlen als durch normalen Präsenzunterricht.

Hier ist die Forderung des BLVN, dass unsere Kolleginnen und Kollegen im kommenden Schuljahr für die Mehrarbeit entlastet werden. Dies wurde auch bereits kürzlich in Gesprächen mit der Führung des MK deutlich eingefordert.

Hinsichtlich des eingeschränkten Unterrichts empfanden gerade mal 39% die Herausforderungen durch die neuen Unterrichtsformen als positive Herausforderung. Erschrecken muss die Aussage, dass lediglich knapp 28% unserer Kolleginnen und Kollegen davon berichten, dass ihre Schülerinnen und Schüler zuhause auf adäquate digitale Endgeräte zurückgreifen können. Ernüchternd – wenn auch aus den anderen Antworten bereits insgesamt erwartbar – ist die Aussage, dass fast 70% unserer Kolleginnen und Kollegen der Meinung sind, dass ihre Schülerinnen und Schüler in der Zeit des eingeschränkten Unterrichts viel zu wenig Unterricht erhalten und dementsprechend auch viel weniger gelernt haben als bei normalem Präsenzunterricht.

Die daraus abzuleitenden Forderungen sind hier allerdings davon abhängig, wie es im kommenden Schuljahr weitergeht. Grundsätzlich muss das Ziel sein, dass unsere Schülerinnen und Schüler genauso viel Stoff vermittelt bekommen wie in Normalzeiten. Da das davon abhängig ist, dass alle Schülerinnen und Schüler auf adäquate digitale Endgeräte zurückgreifen können, muss hier seitens der Schulträger dringend nachgebessert werden. Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Fortbildungen hinsichtlich digitalen Unterrichtes – und hier gleichermaßen zur Didaktik wie auch zu Hard- und Softwaremöglichkeiten. Auch diese Punkte wurden dem MK bereits in Gesprächen als dringender Handlungsbedarf gespiegelt. Für das kommende Schuljahr fordert der Berufsschullehrerverband Niedersachsen von der Landesregierung Konzeptionen, um den gesamten Unterricht mit fast 100% Unterrichtsversorgung sicher zu stellen. Ferner sind für unterschiedliches Infektionsgeschehen Pläne zu erstellen und es muss ein nachhaltiger Investitionsplan für die Entwicklung der IT an den Berufsbildenden Schulen erstellt werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass 137 Kolleginnen und Kollegen davon berichten, dass sie ihre Fachpraxis- bzw. ihre Laborräume nicht nutzen können. Da 99 der Befragten angaben, Fachpraxiskollegen/innen zu sein, liegt die Vermutung nahe, dass diese Einschränkung auf die übergroße Mehrheit unserer Fachpraxiskolleginnen und -kollegen zutrifft. Viele Fachpraxislehrkräfte werden zurzeit mit neuen Aufgaben konfrontiert und müssen ihre Unterrichtsdidaktik stark anpassen.

Wir fordern deshalb, dass unsere Fachpraxiskolleginnen und -kollegen nicht überfordert werden dürfen und dass man sie auch hinsichtlich der Gefährdungsbeurteilung für die Tätigkeiten in ihren Fachpraxisräumen nicht alleine lässt.

Beruhigend ist, dass rund 89% der Befragten davon berichten, dass die Corona-Maßnahmen an ihrer Schule entweder sehr gewissenhaft oder zumindest im Wesentlichen eingehalten werden. Konsequent meinen denn auch fast 28%, dass ihnen die Maßnahmen ein sicheres Gefühl geben und weitere 34% beeinflussen die Maßnahmen ihr Sicherheitsgefühl weder positiv noch negativ. Immerhin 38% fühlen sich hingegen von den Sicherheitsmaßnahmen verunsichert oder bedrückt. Auf der anderen Seite plädieren 62% unserer Kolleginnen und Kollegen – also fast 2/3 – dafür, in naher Zukunft keine der bestehenden Corona-Maßnahmen zurückzunehmen. Selbst die an sich kritisch gesehene Klassenteilung wollen aktuell nur rund 20% unserer Kolleginnen und Kollegen zurücknehmen. Das ist ein klarer Beleg dafür, dass die Befragten mit übergroßer Mehrheit weiterhin sehen, dass die Bedrohung durch das Corona-Virus noch nicht vorbei ist und dass dieser Bedrohung weiterhin mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen begegnet werden muss.

Dies gilt insbesondere für unsere Kolleginnen und Kollegen in den Pflege- und Gesundheitsberufen, die noch besondere Bedingungen beachten müssen.

Der Berufsschullehrerverband Niedersachsen fordert hier die konsequente Einhaltung der Hygienevorschriften und den Abbau von nach wie vor manifesten Mängeln wie fehlenden Waschbecken, Seife und Einmalhandtüchern. Auch dies ist dem Kultusministerium gegenüber sehr deutlich gemacht worden. Die Rückkehr zu einem Unterricht unter Normalbedingungen sollte daher lagebedingt abgewogen werden und vorsichtig erfolgen. Hier ist insbesondere auch zu berücksichtigen, dass in berufsbildenden Schulen viele Schülerinnen und Schüler aus Kleinbetrieben stammen, denen bei der Ansteckung ihrer Auszubildenden z.T. existenzbedrohende Quarantänemaßnahmen drohen. Auch unsere Kolleginnen und Kollegen dürfen nicht leichtfertig durch ein zu schnelles Fallenlassen aller Coronamaßnahmen einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt werden. Hier muss das MK sehr feinfühlig auf die jeweilige Bedrohungslage reagieren und den Schulleitungen einen entsprechenden Freiraum für verantwortungsvolles Handeln lassen.

Schlussendlich sollte erwähnt werden, dass rund 26 Prozent der von uns befragten Lehrkräfte zur Risiko-Gruppe gehören und weitere 28% im familiären Umfeld Angehörige haben, die zur Risikogruppe zählen. Dennoch nehmen im Verhältnis nur sehr wenige ihr Recht wahr, im Homeoffice zu arbeiten.?Dies ist ein Beleg für die hohe Motivation der Kolleginnen und Kollegen, aber auch ein deutlicher Hinweis auf den großen Personalmangel an den Berufsbildenden Schulen. Es fehlen etwa 1000 Lehrkräfte an den berufsbildenden Schulen in Niedersachsen.

Wir sind für euch im ständigen Kontakt mit den Personalräten in den berufsbildenden Schulen, in den Bezirken und im Schulhauptpersonalrat sowie mit der niedersächsischen Landesschulbehörde, dem Kultusministerium und nicht zuletzt mit den Parteien und der Landesregierung.?

Wir bleiben natürlich auch mit unseren Mitgliedern in Kontakt, um z.B. mit kurzen Befragungen die Wünsche und Nöte der Mitglieder abzufragen.?

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Teilnehmern der Umfrage. Wir haben diese Umfrage nicht nur ausgewertet, sondern die Ergebnisse auch sofort an das Kultusministerium weitergegeben und entsprechende Forderungen an den Minister herangetragen. Wir bleiben dran!

Herzliche Grüße?
Ralph Böse
Landesvorsitzender des Berufsschullehrerverbands Niedersachsen

Werner Taphorn?
stellvertretender Landesvorsitzender?des Berufsschullehrerverbands Niedersachsen

Die komplette Auswertung können Sie hier downloaden.