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06. Juni 2019
Dr. Gerhard Over und Günter Denninger:

Jahrestagung 2019 des Bundesringes der Agrarlehrer

VorstandDas Foto zeigt den alten und den neuen Vorstand (v.l.n.r.): Günter Denninger, Katharina Klos, Andrea Präger, Dr. Gerhard Over, Carsten Lindner und Torsten Günzel.
Foto: BLV NDS

Im Forum der TU München (TUM) in Freising-Weihenstephan trafen sich die Länderexperten zur Tagung des Bundesringes agrarwirtschaftlicher Berufsschullehrkräfte. Schwerpunktthemen waren: Auswirkungen des digitalen Wandels im Agrarbereich auf die berufsschulische Ausbildung sowie „Lehrergewinnung und -qualifizierung“.

Zunächst stellte Professor Heinz Bernhardt, Agrarsystemtechnik TUM, die Entwicklungen der digitalen Transformation im Agrarbereich vor. Unter anderem sind Melkroboter, GPS- und sensorgesteuerte Düngerausbringung, Parallelfahrsysteme, Datenerfassung und -verknüpfung in Farm-Managementsystemen zum Stand der Technik geworden. An weiteren Beispielen verdeutlichte Professor Bernhardt, welches Entwicklungspotenzial die Digitalisierung für die agrarwirtschaftliche Produktion bietet. Fahrzeuge die ohne Fahrer auskommen sind entwickelt und werden unter Praxisbedingungen erprobt. Schon heute können von einer Fachkraft mehrere Fahrzeuge gesteuert und überwacht werden, wobei die „Intelligenz nicht mehr länger auf dem Fahrersitz fixiert ist“. Nach Bernhardts Ansicht werden sich die Anforderungen an die Fachkräfte verändern. Von den künftigen Auszubildenden wird ein grundlegendes Informatikverständnis erwartet. Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass der Erwerb digitaler Kompetenzen in den Curricula berücksichtigt werden muss. Derzeit gibt es allerdings für die agrarwirtschaftlichen Berufsschulen noch keine allgemeingültigen Konzepte, wie die Digitalkompetenz im Unterricht vermittelt werden soll.

Zwei junge Kolleginnen, Eva-Maria Alfing (NRW) und Andrea Praeger (Brandenburg) berichteten über ihre Erfahrungen mit Learning-Apps im Fachunterricht. Unter anderem stehen zur Unkrautbestimmung auf dem Feld etliche einfach zu bedienende Anwendungen zur Verfügung. Kahoot! ist eine Lernlattform, die Auszubildenden ermöglicht, den Unterrichtsinhalte spielerisch zu erlernen, wenn die Lehrkraft die Inhalte aufbereitet hat.

Auf den anhaltenden Bedarf an beruflichen Lehrkräften wies Professor Alfred Riedl, Studiendekan Berufliches Lehramt an der TU, in seinem Vortrag hin. Als mögliche Ursachen für zu wenig Lehramtsstudierende nennt er u. a.: Informationsdefizite über das berufliche Lehramt und Imageprobleme. Angesichts des Bewerbermangels an grundständig ausgebildeten Lehrkräften werden Hochschulabsolventen eingestellt, die einen fachwissenschaftlich Orientierung haben. Wenn die wissenschaftlich fundierte Ausbildung im pädagogischen Bereich fehle, könne es nach seiner Ansicht zu Schwierigkeiten im Unterricht kommen. An der TU München läuft derzeit ein Modellprojekt „Studiengang Master Berufliche Bildung integriert“, bei dem der Masterstudiengang mit dem Vorbereitungsdienst kombiniert wird.

Am Ende seiner Ausführungen beschrieb Riedl einige Eigenschaften, die gemäß der Hattie-Studie für das erfolgreiche Wirken einer Lehrkraft von Bedeutung sind: „Erfolgreiche Lehrpersonen haben nicht nur eine Leidenschaft für das Fach, sondern auch für die Didaktik und die Pädagogik, für die Lernenden und für ihren Beruf. Und diese Leidenschaft ist nicht nur wichtig, um eine erfolgreiche Lehrperson zu werden. Sie ist auch wichtig, um ein Leben lang diesen herausfordernden Beruf auszuüben, also erfolgreiche Lehrperson zu bleiben“.

Während sich Fach-, Pädagogik- und Didaktik-Kompetenz in der Lehrkräfteausbildung gut schulen lassen, sind Haltungen (Muster von Werten, Einstellungen, Wollen, innerer Kompass…) nicht so leicht zu verändern. Sie gehören aber zu den wichtigsten Voraussetzungen guten Unterrichts und seien daher in der Lehrkräfteausbildung weiter zu entwickeln.

Frau Dr. Heidi Müller-Weichbrodt, Fachdidaktikerin an der Humboldt Universität Berlin, berichtete, dass sich erst nach sechs bis acht Jahren im Lehrerberuf ein professionelles Lehrerhandeln entwickelt. Daher fordert sie für die Zeit nach dem Vorbereitungsdienst eine berufsbegleitende Fortbildung sowohl im fachlichen als auch im fachdidaktischen Bereich.

In einem weiteren Referat betonte Frau Marion Ramgraber, Lehrerin am Berufsschulzentrum Regensburger-Land, dass gerade in heterogenen Berufsschulklassen die pädagogische Kompetenz der Lehrkraft gefragt ist. Denn für die Planung und Durchführung von individualisiertem Unterricht bedarf es einer vertieften methodisch-didaktischen Ausbildung. An Beispielen aus dem eigenen Unterricht zeigte Frau Ramgraber Möglichkeiten auf, wie sich Informationstexte mit unterschiedlichen Niveaustufen gestalten lassen, um die Lernenden individuell zu fördern.

Insgesamt berichten die Kollegen aus den Bundesländern von stabilen Ausbildungszahlen. In einigen Ländern führt die Konzentration von Schulstandorten zu langen Anfahrtswegen für die Auszubildenden, was auf Dauer zu sinkenden Ausbildungszahlen in diesen Berufen führen dürfte.

In der Vertreterversammlung verabschiedeten sich Günter Denninger und Dr. Gerhard Over aus dem Bundesringvorstand, da sie sich aus dem aktiven Dienst zurück ziehen. Neuer Vorsitzender ist Torsten Günzel (Sachsen). Als Stellvertreter wurden Carsten Lindner (NRW) und Andrea Präger (Brandenburg) gewählt. Als Beisitzerin fungiert Katharina Klos (Saarland). Die Bundesringtagung 2020 wird in Hessen stattfinden.

Die Präsentationen zu den einzelnen Vorträgen können beim BLVN-Geschäftsführer (g.over@blv-nds.de