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31. Oktober 2018

Keine Chancengleichheit durch Bildung

Kultusetat-Entwurf enttäuscht Berufsbildner: Berufsschullehrerverbände BLVN und VLWN sehen die Berufsschulen abgehängt und fordern Sinneswandel in der Politik.

Hannover. Der Etat des Kultusministeriums soll für 2019 um 9 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro steigen. Satte 560 Millionen Euro mehr will das Land in die Bildung investieren. Das sieht der Haushaltsplan vor. Alle sollen profitieren: Von der Krippe bis zum Gymnasium. „Nur die 11.000 Berufsschullehrer und 220.000 Berufsschüler scheinen wieder einmal leer auszugehen. Zumindest werden Berufsschulen in der Pressemeldung des Ministeriums zum Etatentwurf nicht mit einem einzigen Wort erwähnt“, sagt Joachim Maiß, Vorsitzender des Landesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLWN), voller Enttäuschung.

Heinz Ameskamp, Vorsitzender des Berufsschullehrerverbandes Niedersachsen (BLVN) kritisiert, dass Minister Tonne bei den allgemeinbildenden Schulen künftig eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent garantiert, dafür 2300 neue Stellen schaffen möchte und hier quasi eine Einstellungsgarantie für angehende Lehrer gibt, während die berufsbildenden Schulen seit Jahren wegen verfehlter Personalpolitik gegen eine Unterrichtsversorgung von unter 90 Prozent ankämpfen.

„Scheinbar ist berufliche Bildung im Kultusministerium ein ungeliebtes Kind und wird als fünftes Rad am Wagen empfunden. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die berufsbildenden Schulen trotz des eklatanten Personalmangels und des damit einhergehenden Unterrichtsausfalls sogar noch 250 Stellen laut Haushaltsentwurf verlieren sollen. Statt gestärkt zu werden, blutet die berufliche Bildung weiter aus“, sagt Ameskamp und betont: „Bildung ist mehr als Allgemeinbildung!“ Wer dem Fachkräftemangel entgegentreten möchte, muss die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung fördern statt schwächen.

Kritisch sieht Maiß auch, dass das Kultusministerium die Chance vertan hat, das Projekt „SPRINT“, in dem Flüchtlinge an den berufsbildenden Schulen erfolgreich beschult werden, zukunftssicher aufzustellen. „Rund 150 Vollzeitlehrerstellen, die an das Projekt gekoppelt sind, sollen künftig ersatzlos wegfallen. Das erhärtet nur den Eindruck, dass die berufsbildenden Schulen ein unliebsames Anhängsel sind. Wenn das in Niedersachsen so ist, sollte die Landesregierung ernsthaft überlegen, ob sie die berufliche Bildung nicht im Wirtschaftsministerium besser organisiert. Wir brauchen offensichtlich eine andere Organisation von Aufsicht über die berufsbildenden Schulen. Nur wenn eine Verantwortungsgemeinschaft aus Staat und Wirtschaft gemeinsam die Ausrichtung der berufsbildenden Schulen bestimmen, erscheint eine ausgewogene Finanzierung der unterschiedlichen Schulformen wahrscheinlich. Ein positives Beispiel dafür ist das „Hamburger Institut für berufliche Bildung (HIBB)“, sagt Maiß.