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25. Oktober 2018

Berufsschulen wollen nicht das „fünfte Rad am Wagen“ sein

Seit mehr als zehn Jahren berät und unterstützt das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) Schulen in der Hansestadt. Ein ähnliches Institut soll in zwei Jahren auch in Schleswig-Holstein mit der Arbeit beginnen. Bildungsexperten fordern ein solches Institut auch für Niedersachsen – als einen Baustein für eine Stärkung der beruflichen Bildung. Das wurde in einer Diskussion zur Bildungspolitik bei der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in Niedersachsen deutlich. Verbände machten dabei auf die schwierige Situation an den Berufsschulen in Niedersachsen aufmerksam.

„Im Wahlkampf wurde noch auf die Bedeutung der beruflichen Bildung hingewiesen. Jetzt merken wir, dass wir doch wieder das fünfte Rad am Wagen sind. Das muss anderes werden“, sagte Heinz Ameskamp, Vorsitzender des Berufsschullehrerverbandes Niedersachsen und Schulleiter der BBS Technik in Cloppenburg. Er wünscht sich auch mehr Informationen von den Schulen beim Übergang der Schüler auf die Berufsschule. „Wir sehen nur das Zeugnis und fangen dann mit jedem Schüler im Prinzip neu an. Wir brauchen mehr und differenziertere Informationen über die Schüler“, so Ameskamp. Schließlich würden auch die Berufsschulklassen immer differenzierter. „Wir haben inzwischen eine Gruppe, die den Abschluss – wenn überhaupt – nur noch gerade so schafft, und eine Gruppe, die den Abschluss gut schafft. Die breite Mitte, die es früher gab, ist verloren gegangen“, berichtete der Berufsschulleiter auf der Veranstaltung in Hannover. Das hänge auch damit zusammen, dass die Schüler mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen auf die Berufsschule kommen.

Wenn Jugendliche erst einmal den Weg in die Stadt gefunden haben, dann geht keiner mehr zurück aufs Land.

Sowohl Ameskamp als auch Sebastian Krohne, Bildungsexperte der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), wünschten sich mehr Investitionen in Berufsschulen – gerade auch auf dem Land. „Wir müssen es uns leisten können, die Schüler vor Ort zu betreuen und zu beschulen. Wenn Jugendliche erst einmal den Weg in die Stadt gefunden haben, dann geht keiner mehr zurück aufs Land“, warnte Krohne. Der Weg zur Schule und zum Arbeitsplatz sei eines der Hauptargumente von Schülern. Stefan Nowatschin vom Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen,Mitglied des CDA-Landesvorstands, beklagte „verfilzte Verwaltungsstrukturen“. Das Kultusministerium sei noch träger geworden. „Wir warten darauf, dass etwas nach vorne geht. Da können wir lange warten“, sagte Nowatschin. Er wünschte sich mehr Ordnung in der Berufsbildung und zeigte sich überzeugt, dass ein Niedersächsisches Institut für Berufliche Bildung dabei sinnvoll sein könne. Denn das Institut könnte unabhängig von der Verwaltung arbeiten und die berufliche Bildung stärken. Nowatschin zufolge könnte das Institut zum Beispiel dabei unterschützen, Bundesmittel zu beantragen oder Schulträger zu entlasten. „Das Verwaltungspersonal in Kreisen und Städten ist ja auch abgebaut worden. Da fehlen inzwischen Pfiffikusse, die im Dschungel der Förderprogrammatik noch den Durchblick haben. Mancher Schulträger wäre über so ein Spezialteam deshalb bestimmt sehr froh.“ Er bedauerte, dass das Ziel der CDU, ein solches Institut einzurichten, im Koalitionsvertrag „weichgespült“ worden sei. Der Auftrag einer Machbarkeitsstudie sei das Mindeste, was jetzt erreicht werden könne.

Wir warten darauf, dass etwas nach vorne geht. Da können wir lange warten.

Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes in Niedersachsen, übte Kritik am Erlass zur Berufsorientierung. Man müsse differenzierter vorgehen, als es das Kultusministerium gemacht habe. „Die Berufsorientierung an Gymnasien wurde beträchtlich verschärft. Das kostet Fachunterricht“, warnte Audritz. Man müsse sich durchaus fragen, ob es für das Gymnasium überhaupt angemessen sei und ob man nicht eher auf der Gesamtschule so vorgehen sollte. Dort aber sei die Berufsorientierung abgebaut worden.

Quelle: Rundblick