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02. Januar 2018

Niedersachsen: Berufliche Bildung stagniert auf niedrigem Niveau

Das deutsche Ausbildungssystem gilt als Garant für Fachkräfte-Nachwuchs und gute Jobperspektiven. Doch in Niedersachsen finden nur zwei von drei Jugendlichen eine Ausbildungsstelle. Insbesondere Hauptschüler und Ausländer bleiben oft außen vor.

Der Ausbildungsmarkt in Niedersachsen bleibt einer der angespanntesten in Deutschland. Die Zahl der angebotenen dualen Ausbildungsplätze sank zwischen 2013 und 2016 um 1,6 Prozent auf unter 58.000. Weil die Zahl der Bewerber noch stärker zurückging (um 5,6 Prozent auf 65.000), haben sich die Aussichten für den einzelnen Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt leicht verbessert. Doch noch immer kamen auf 100 Bewerber rechnerisch nur 89 Ausbildungsplätze. Nur in vier Bundesländern waren die rechnerischen Chancen der Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt schlechter als in Niedersachsen. Das geht hervor aus dem „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Abteilung Wirtschaftspädagogik der Universität in Göttingen, der von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde.

Jeder sechste Bewerber 2016 ohne Ausbildungsvertrag

In keinem der 15 Arbeitsagenturbezirke deckt das Angebot an Ausbildungsplätzen rechnerisch die Nachfrage. Besonders problematisch stellte sich 2016 die Ausbildungsmarktsituation in Hameln (84 Ausbildungsstellen auf 100 Bewerber) und Lüneburg-Uelzen (85) dar. Deutlich bessere Perspektiven hatten Bewerber in Oldenburg-Wilhelmshaven (96) und Nienburg-Verden (95). Auch in den Industriezentren Hannover und Braunschweig standen nicht genug Ausbildungsplätze zur Verfügung. Ausbildungsplätze fehlen insbesondere in den gewerblich-technischen sowie in den kaufmännischen und Informatikberufen. Auf eine mangelnde Nachfrage treffen dagegen Ausbildungen im Nahrungsmittelhandwerk sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Da von den ohnehin knappen Ausbildungsplätzen 2016 landesweit auch noch 5,5 Prozent unbesetzt blieben, gingen 16 Prozent der Bewerber in Niedersachsen bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz leer aus. Höher war dieser Anteil nur in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Schlechte Chancen für Hauptschüler und Ausländer

Von den Ausbildungssuchenden ohne Schulabschluss oder mit einem Hauptschulabschluss gelingt es nur 44 Prozent direkt eine betriebliche Ausbildung oder eine Ausbildung im Schulberufssystem aufzunehmen. Diejenigen, die nicht direkt den Sprung in eine Ausbildung schaffen, wechseln in der Regel zunächst in eines der zahlreichen berufsvorbereitenden Angebote im sogenannten Übergangssystem, in denen jedoch keine Berufsabschlüsse erworben werden können.

Jugendlichen mit mittlerem Schulabschluss gelingt der direkte Einstieg in Ausbildung mit 73 Prozent deutlich häufiger. Doch mit 23 Prozent wechseln sie in Niedersachsen häufiger ins Übergangssystem als in den meisten anderen Bundesländern. Im Bundesdurchschnitt gelingt es 86 Prozent derjenigen mit mittlerem Schulabschluss eine Ausbildung aufzunehmen. Der niedersächsische Übergangssektor bleibt damit im Vergleich der Bundesländer besonders groß. Mehr als jeder dritte Jugendliche beginnt dort eine berufsvorbereitende Maßnahme. Der Anteil bleibt seit 2013 konstant, obwohl fast alle anderen Bundesländer in dieser Zeit ihren Übergangssektor verkleinern konnten.

Ausländische Jugendlichen gelingt der direkte Einstieg in Ausbildung nur zu 41 Prozent. Sie sind damit auf dem Ausbildungsmarkt deutlich seltener erfolgreich als ihre deutschen Altersgenossen mit 68 Prozent. Die Erfolgsquote von ausländischen Anfängern in der Ausbildung ist seit 2013 auch noch einmal gesunken. Damals gelang noch 46 Prozent der direkte Einstieg in die Ausbildung.

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich dafür ein, jedem jungen Menschen die Chance auf einen Berufsabschluss zu eröffnen. Dafür fordert sie bessere ausbildungsbegleitende Unterstützung für kleine Betriebe und Azubis, eine intensivere berufliche Orientierung während der Schulzeit sowie eine Ausbildungsgarantie in Form von staatlich geförderten Ausbildungsplätzen für Jugendliche, die bei der Suche erfolglos bleiben.

Zusatzinformationen

Das Forschungsprojekt „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ des soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI – Prof. Baethge) und der Abteilung für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung der Universität Göttingen (Prof. Seeber) wird von der Bertelsmann Stiftung gefördert. Es untersucht die Situation in den drei Sektoren der beruflichen Bildung (duales System, Schulberufssystem und Übergangssystem) in den 16 Bundesländern vergleichend und im Zeitverlauf. Für das Projekt wurden vorhandene Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung, der Bundesagentur für Arbeit und der statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet sowie Dokumente zu Berufsbildungspolitik aus den Bundesländern analysiert. Schutz- und Asylsuchende, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, werden in den vorliegenden Zahlen noch nicht aufgeführt. Ergänzender Hinweis: Am 13.12. hat das Bundesinstitut für Berufsbildung Zahlen zur Entwicklung im Teilbereich duale Ausbildung im Jahr 2017 vorgelegt. Diese sind im Ländermonitor noch nicht berücksichtigt.

Näheres zu dem Projekt und den beteiligten Instituten und Wissenschaftlern gibt es hier (www.sofi-goettingen.de).